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Angsthund: Umgang und Training im Alltag

Weißt Du, wie Du mit Deinem Angsthund am besten umgehst, wie Du den Alltag gestaltest und ihm Vertrauen und Sicherheit vermittelst? Ein ängstlicher Hund kann eine starke Belastung für seine Besitzer sein. Im Alltag erfordert der Angsthund Rücksichtnahme und Umsicht. Nicht immer gelingt das.

Die folgenden 12 Abschnitte zeigen Dir worauf du achten musst, was du unbedingt vermeiden solltest und was du tun kannst.

Inhaltsverzeichnis

1. Ist mein Hund überhaupt ein Angsthund?

Für eine hilfreiche Therapie, brauchst Du die richtige Diagnose. Deshalb ist es wichtig, dass Du Dir das Verhalten Deines Hundes genau anschaust. Typische Anzeichen von Angst sind: Fluchtverhalten, Erstarren, Hin-und Herlaufen in Kombination mit Hecheln. Diese Verhaltensweisen erkennt der Laie leicht, als Angstverhalten.

Ein Angsthund kann unterschiedliche Verhaltensweisen zeigen, die nicht direkt mit Angst in Verbindung gebracht werden. Das ist fatal. Denn in diesen Fällen könnte dem Hund Unrecht getan werden und eine Erziehungsmethode gewählt werden, die die Situation verschlimmert.

Verhaltensweisen, die Angsthunde zeigen:

  • Meide- und Fluchtverhalten
  • Hyperaktivität
  • Aufmerksamkeitssuchendes Verhalten, wie z.B. übermäßiges Bellen, Kleben am Besitzer
  • Zwangsverhalten, wie Schwanzjagen, starkes Lecken, exzessives Hüteverhalten oder Jagdverhalten
  • Aggressionsverhalten
  • Depressives Verhalten

Zwei Beispiele, bei denen man nicht direkt an Angst denkt:

  1. Es gibt Angsthunde, die im Alltag keine Schwierigkeiten machen. Sie kleben an ihrem Besitzer und sind dadurch „leicht erziehbar“. Diese Hunde zeigen einen geringen Erkundungsradius, was angenehm ist, weil sie nicht weglaufen. Aber sie leiden still! Sie kleben am Besitzer, weil sie Angst haben und sich nicht trauen, die Umwelt zu erkunden.
  2. Angsthunde lassen sich im Training leicht ablenken. Häufig wird die Angst als solche nicht erkannt und der Hund als „stur“ bezeichnet. Die Konsequenz ist, mehr Strenge im Training, die zu weiterem Stress und Angst führt.

Es ist wichtig, dass Du die Verhaltensweisen Deines Hundes einordnest, damit Du zu einer richtigen Einschätzung kommst. Aber Achtung! Es ist nicht förderlich, Deinen Hund in die generelle Schublade „Angsthund“ zu stecken. Kein Hund wird als Angsthund geboren. Es gibt genetische Prädispositionen für Ängstlichkeit, aber es ist keine Charaktereigenschaft. Wenn man den Hund in eine Schublade steckt, führt das sehr schnell dazu, dass man ihn nur durch diese Brille betrachtet und ihm nichts zutraut. 

2. Wie erkenne ich, ob mein Hund an einer generalisierten Angststörung leidet?

Beobachte Deinen Hund in allen möglichen Situationen auf Anzeichen von Stress und Angst. Es ist aufschlussreich und hilft bei der Diagnosestellung: Zeigt Dein Hund nur Angstverhalten vor bekannten Auslösern (z.B. einem bestimmten anderen Hund) und ist ansonsten entspannt und fröhlich oder ist er im Alltag generell ängstlich und angespannt?

Man unterscheidet zwischen Furcht vor bekannten Auslösern und einer generalisierter Angststörung. Die Übergänge sind fließend und eine Furcht vor einer bestimmten Situation kann in eine generalisierte Angststörung münden, wenn sie unbehandelt bleibt.

Ein Hund mit einer generalisierten Angststörung leidet unter so vielen Angstauslösern, dass eine Erholung dazwischen nicht mehr möglich ist. Der chronische Stress lässt den Angsthund immer sensibler auf immer schwächere Reize reagieren.  

Für den Menschen ist das Verhalten nicht nachvollziehbar, denn es ist ja offensichtlich nichts zu erkennen, was die Angst auslösen könnte. Warst Du auch schon mal in einer verzweifelten Situation, weil Dein Hund mit starkem Angstverhalten reagiert hat und Du nicht wusstest wieso und wie Du aus dieser blöden Situation wieder herauskommst?

Wenn du auf die folgenden Ausdruckselemente Deines Hundes achtest, lernst Du Deinen Hund besser einzuschätzen. Sie sind alle Ausdruck von Stress. Dabei ist es individuell unterschiedlich, wie stark und mit welchen Ausdruckselementen sich der Stress bemerkbar macht.

  •  Ducken des Kopfes
  • Schmatzen, Züngeln
  • Pföteln
  • Zurückgelegte Ohren mit glatter Stirn
  • Häufiges Kopfwegdrehen und Blinzeln
  • Vermeidung von Blickkontakt
  • Gähnen ohne Müdigkeit
  • Häufiges Schütteln
  • Schnüffeln
  • Geduckte Körperhaltung
  • Hecheln
  • Aufgewölbter Rücken
  • Hängender oder eingeklemmter Schwanz
  • Verstecken
  • Scannen der Umwelt
  • Motorische Unruhe
  • Große Augen (Augenweiß sichtbar)
  • Übertriebene Körperpflege
Angsthund Angstaggression

All diese Stressanzeichen gehören zum normalen Ausdrucksverhalten des Hundes. Sie können, müssen aber nicht, Anzeichen einer Ängstlichkeit sein. Zeigt Dein Hund mehrere dieser Ausdruckselemente häufig während des Tages, ist es wahrscheinlich, dass Dein Hund viel Stress hat. In diesem Fall solltest Du Dir fachliche Unterstützung holen.

3. Ist ein normaler Alltag mit einem Angsthund möglich?

Die Einschränkung im Alltag ist abhängig vom Schweregrad der Angst und der Bereitschaft daran etwas zu ändern.

Der Hundehalter muss lernen, seinen Hund als das Individuum anzunehmen, das es ist. Der Hund hat sich nicht ausgesucht Angst zu haben. Hieraus ergibt sich eine große Schwierigkeit, denn der Halter muss akzeptieren, dass er mit seinem Hund vorerst nicht die Dinge zusammen erleben kann, die er sich vorgestellt und gewünscht hat. Diese Akzeptanz ist aber essentiell für die weitere positive Entwicklung und die Beziehung zum Hund.

Seinen Angsthund als solchen zu akzeptieren, bedeutet natürlich nicht, dass man die Angst, als gegeben hinnimmt und nichts daran ändert. Im Gegenteil, in Angst zu leben, ist grausam und diese nicht zu behandeln, ist tierschutzrelevant. Was Du aber tun kannst, erkläre ich Dir in den nächsten Abschnitten.

4. Was sind die Hauptgründe für Ängstlichkeit beim Hund

Hunde aus dem Auslandstierschutz haben ihre erste Zeit im Schelter, unter schwierigsten, traumatischen Bedingungen verbracht und sind stark belastet. Neben verschiedenen psychischen Traumata leiden diese Hunde oftmals unter einem Deprivationssyndrom. Während der Zeit der Hirnreifung in den ersten Lebensmonaten konnten die Hunde keine Erfahrungen mit den üblichen Umweltreizen machen und reagieren hoch sensibel auf unbekannte Dinge. Diese Phase der Sozialisierung kann nicht nachgeholt werden.

Natürlich ist nicht nur der Tierschutzhund aus dem Ausland ein potentieller Angsthund. Neben deprivierten Aufzuchtbedingungen gibt es weitere Ursachen für Angst beim Hund:

  • Körperliches Unwohlsein (Erkrankungen, Schmerzen)
  • Initialtraumata, wie eine starkes Schreckerlebnis (Schuss, Silvester) mit anschließender Generalisierung (Fehlverknüpfungen weiterer Auslöser)
  • Überforderung (z.B. im Leistungshundesport oder Reizüberflutung mit zu vielen unbekannten Reizen )
  • Fehlende Orientierung an einer sicheren Bezugsperson und Entwicklung einer gegenseitigen Stress- und Angstübertragung
  • Nicht Weglaufen können in bedrohlichen Situationen
  • Unfälle
  • Misshandlung
  • Isolation (z.B. Lange Zwingerhaltung)
  • Mehrfacher Besitzerwechsel
  • Leistungen unter bedrohlichen Umständen erbringen zu müssen (z.B. Diensthunde)
  • Genetische Prädispositionen

5. „Da muss er auch mal durch!“ Kann sich der Hund an einen Angstauslöser gewöhnen?

Wenn du Deinen Hund ohne Konzept, mit den angstauslösenden Reizen konfrontierst, kommt es zu weiteren Sensibilisierungen und die Angst wird schlimmer. Das hat die Natur clever eingerichtet, denn je früher man eine potentielle Gefahr wahrnimmt, umso höher sind die Chancen ihr zu entkommen und zu überleben. Für uns im Alltag ist das ungünstig, da der Hund immer mehr Vorboten auf das eigentlich bedrohliche Ereignis verknüpft und früher Angstverhalten zeigt.

Ein Beispiel: Zunächst hat der Hund Angst vor dem Donner, ein lautes Geräusch, dass er nicht einordnen kann. Warum er davor Angst hat, ergibt sich aus Punkt 4. Beim nächsten Mal reagiert er bereits, wenn es windig wird. Danach, wenn es regnet und dann, wenn Wolken aufziehen. Irgendwann ist ein bewölkter Himmel ausreichend, um Angstverhalten auszulösen.  Die Angst entsteht extrem schnell und zieht weite Kreise, sodass am Ende gar keine konkreten Auslöser mehr für die Angst auszumachen sind. Der Hund hat chronischen Stress und reagiert immer sensibler auf immer schwächere Reize.

Eine Gewöhnung ist ab einem bestimmten Stresslevel nicht mehr möglich. Sie funktioniert nur, wenn die Reize noch keine emotionale Bewertung im Gehirn durchlaufen haben und das ist beim Angsthund nicht der Fall. Ein Beispiel: Ein junger Hund lebt in einem Wohngebiet mit viel Fluglärm. Der Hund hat mit diesem Geräusch bislang keine schlechten Erfahrungen gemacht. Da es im Alltag ständig kommt und geht, nimmt er es bald nicht mehr war. Es hat keine Relevanz für ihn.

Wenn Du Deinen Hund dem angstauslösenden Reiz aussetzt, in der Hoffnung, dass er sich daran gewöhnt, wird Dein Hund so lange Angstsymptome zeigen, bis seine Energie aufgebraucht ist. Angst ist energieraubend. Dieser Zustand der körperlichen Erschöpfung wird mit Gewöhnung verwechselt. Er führt in die erlernte Hilflosigkeit und letztlich in die Depression.

Dein Hund kann aber umlernen. Das heißt, er kann lernen, dass ehemals angstauslösende Reize etwas Positives bedeuten und dass es andere Lösungsstrategien gibt, als Flucht oder Erstarren, um mit schwierigen Situationen umzugehen. Hierzu empfehle ich Dir meinen Blogbeitrag: „3 grundlegende Fragen zum Thema Angsthund“. Dort geht es unter anderem genau, um diese Frage.

6. Diese 5 Fehler, im Umgang mit deinem Angsthund, solltest Du unbedingt vermeiden

  1. Grobes, lautes und ungeduldiges Verhalten, verschlimmert das Befinden Deines Hundes und Du setzt die Beziehung zu ihm aufs Spiel. Das ist gar nicht so einfach, denn wie Du in Punkt 5 erfahren hast, zeigen Hunde mit einer Angststörung Symptome, auch ohne konkreten Auslöser. Kleinste Veränderungen, für uns kaum wahrnehmbar, können das Verhalten triggern. In diesen Momenten passiert es schnell, dass Du Dich hilflos und gestresst fühlst und Deine Gefühle mit Dir durchgehen. Atme stattdessen durch und mach Dir bewusst, dass Dein Hund Angst hat und dieses Verhalten nicht zeigt, weil er Dich ärgern will. Überlege Dir für jede Situation einen Plan B und plane immer genügend Zeit ein.
  1. Achte auf eine unbedrohliche Körpersprache. Angsthunde sind besonders sensibel im Bezug auf bedrohliche Körperhaltungen. Beuge Dich nicht über Deinen Hund, sondern gehe dafür gerade in die Hocke. Streichele ihn nicht über den Kopf, sondern im Halsbereich. Manipuliere Deinen Hund nicht unnötig körperlich. Achte auf ein vorsichtiges Anziehen von Geschirr oder Halsband. Vermeide eine strenge, laute und unfreundliche Lautsprache.
  1. Konfrontiere Deinen Hund nicht mit einem Angstauslöser, um ihm zu zeigen, dass Du keine Angst davor hast und er deshalb auch keine Angst zu haben braucht. Diese Form der Stimmungsübertragung funktioniert beim Hund nicht.
  1. Vermeide jegliche Form von Strafe. Strafen lösen ein Gefühl von Unsicherheit und Angst aus. Das ist bei einem Angsthund kontraproduktiv.
  1. Gebe Dich mit wenig zufrieden. Wenn man mit dem Training beginnt, lassen sich schnell Fortschritte erzielen. Dies verleitet dazu, zu schnell zu viel zu verlangen. Gerade wenn es gut läuft, musst Du Entspannungstage dazwischenschieben, damit der Erfolg nachhaltig ist und Dein Hund genug Erholungszeit hat. Sich gegen die Angst zu entscheiden, kostet auch Energie.

7. Kann ich die Angst durch meine Aufmerksamkeit verstärken?

Jein. Früher hat man empfohlen, einen ängstlichen Hund zu ignorieren, um sein ängstliches Verhalten nicht zu bestätigen. Das ist überholt. Angst wird durch Zuwendung in dem Sinne, nicht verschlimmert. Im Gegenteil. Stell Dir vor, Du hast panische Angst vor Gewitter und wirst von Deinem Umfeld ignoriert. Geht es dir nicht besser, wenn Du Dich an eine vertraute Person kuscheln kannst, die Dir Sicherheit gibt?

Voraussetzung ist allerdings, dass Du, als Bezugsperson ruhig und souverän bist und Deinem Hund Sicherheit vermittelst. Manchmal haben Hund und Halter eine lange Angstgeschichte. Der Hundehalter ist durch das Verhalten seines Hundes so gestresst, dass er selbst sensibilisiert ist. Er sendet Stresssignale aus, die das Verhalten des Hundes triggern. Das kann ein Teufelskreislauf sein. Nur Du kannst in diesem Fall den Kreislauf durchbrechen, indem du an Deinen Reaktionen arbeitest.

Tatsächlich kann die Art und Weise, wie Du auf das Angstverhalten Deines Hundes reagierst, ihn durchaus in seiner Angst bestätigen. Wichtig ist eine Orientierung zu bieten und da zu sein, wenn Dein Hund von sich aus Schutz bei Dir sucht. Gewähre diesen Schutz auf entspannte, ruhige Art. Keinesfalls solltest Du mitleidig auf Deinen Hund einreden. Du kannst ihn sanft und mit positiver Stimmung versuchen abzulenken, aber ohne zu übertreiben.

Auch hierzu empfehle ich Dir meinen Blogbeitrag: „3 grundlegende Fragen zum Thema Angsthund“. Hier gehe ich genauer auf die Frage, „Kann ich die Angst meines Hundes durch Aufmerksamkeit verstärken?“, ein. Es ist nämlich nicht gleichgültig, wie Du Dich verhältst.

8. Wie gebe ich meinem Angsthund Vertrauen und Sicherheit zurück?

Ganz wichtig ist, dass Du Deinen Hund den Angstauslösern nicht ohne Konzept aussetzt. Angsthunde sind voller Stresshormone, wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. Diese Hormone werden nur langsam abgebaut. Und sie haben gesundheitliche Folgen: Bei chronischer Erhöhung dieser Hormone treten typische Krankheiten, wie wiederkehrende Durchfälle, Allergien und Hauterkrankungen mit starkem Juckreiz auf.

Wenn Dein Hund draußen Angst hat und er gar nicht mehr aus dem Haus gehen möchte, dann überlege Dir eine Stelle, wo er sich lösen kann und gehe erstmal gar nicht mehr mit ihm raus. Ein Hund muss nicht spazieren gehen, wenn er daran keinen Spaß hat.

Gibt es Orte oder Situationen wo Dein Hund entspannen kann? Stärke diese Orte! Im Haus sind das meist Räume mit wenigen Fenstern (z.B. das Bad). Richte Deinem Hund einen Ort ein, der dunkel und ruhig ist und locke ihn dort nicht weg, wenn er sich darin zurückzieht.

Beschäftige Deinen Hund in den Sicherheitszonen mit positiven Übungen, wie Futtersuchspiele und Tricktraining. Futter und Suchen wirken entspannend, da sie den Parasympathikus aktivieren. Den Teil des vegetativen Nervensystems, der für die Regeneration des Organismus zuständig ist. Der Erfolg stärkt das Selbstbewusstsein Deines Hundes, da er lauter positive Hormone ausschüttet.

Handele vorausschauend, ohne selbst durch Deine Reaktionen zum Vorboten auf das Ereignis zu werden. Wenn Du einen Hund mit starker Gewitterphobie hast, achte rechtzeitig auf einen Wetterumschwung, damit Du und Dein Hund nicht plötzlich in diese Situationen kommen. Erfahrungsgemäß ist bei starken Angsthunden ein Notfallprogramm nötig. Sie müssen rechtzeitig vor dem Ereignis angstlösende Medikamente bekommen, damit es nicht zu weiteren Sensibilisierungen kommt und Du gegen Windmühlen kämpfst.

Wichtige Informationen hierzu findest Du auch in meinem Blogbeitrag: „Angsthund Training: 3 Voraussetzungen für Erfolg.“.

Angsthunde Training Angsthund

9. Was kann ich machen, damit mein Angsthund einen entspannten Spaziergang erlebt?

Wenn Dein Angsthund in der Lage ist rauszugehen, kannst Du ihm, mit den untenstehenden Maßnahmen helfen. Aber: Sobald Dein Hund auf dem Spaziergang kaum ansprechbar ist und immer wieder Angstverhalten zeigt, gehst Du nicht mit ihm raus. In diesem Fall erarbeitest Du neue Wege, ausgehend von seiner Sicherheitsbasis, schrittweise. Eventuell ist es sinnvoll Deinem Hund angstlösende Medikamente zu geben, die erst wirken müssen, bevor man sich wagt, rauszugehen. 

  • Entschleunige Deinen Spaziergang – Passe das Tempo an Deinen Hund an.
  • Suche eine Strecke aus, die Dein Hund gerne läuft und baue dort Entspannungsinseln auf. Dort etablierst Du kleine Spiele (z.B. Futtersuchspiele, Ballspiele oder Entspannungsmassagen, wenn Dein Hund das mag).
  • Du kannst den Spaziergang auch pendelnd gehen. Das bedeutet, Du gehst ein Stück und dann gehst Du ein Stück wieder zurück.
  • Wenn Dein Hund starkes Fluchtverhalten zeigt, übe mit ihm eine gebremste Flucht. Flüchte mit ihm zusammen, aber versuche ihn vorsichtig zu bremsen und sprich ihn mit seinem Lobwort an. So wirst Du bei Bedrohung für ihn zu einer positiven Anlaufstelle.

Auch zu diesem Thema findest Du mehr Informationen in meinem Blogbeitrag: „Angsthund Training: 3 Voraussetzungen für Erfolg.“.

10. Der Einsatz von Medikamenten beim Angsthund

Wenn Dein Hund an einer generalisierten Angststörung leidet, ist der Einsatz von Medikamenten nötig, um ihm nachhaltig zu helfen. Bei Ängsten gegen bestimmte, kontrollierbare Auslöser kann ein gezieltes Training ausreichend sein. Zum Beispiel, wenn Dein Hund ausschließlich unter einer Tierarztphobie leidet. Dann kann das Medical Training ihm helfen, ohne dass er Medikamente braucht.  In vielen Fällen ist die Medikation aber Voraussetzung für weitere Maßnahmen und Training.

Es ist wichtig frühzeitig mit einer Medikation zu beginnen, damit die Angst sich nicht weiter ausbreitet.

Es stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, aber es kann dauern, bis die richtige Medikation gefunden ist, da dies sehr individuell ist. Viele Hundebesitzer werfen vorschnell das Handtuch, wenn das erste Medikament nicht gleich die erwünschte Wirkung zeigt. Es ist etwas Geduld gefragt. Diese Medikamente müssen ein- und ausgeschlichen werden, deshalb kann es einige Wochen dauern, bis das richtige Medikament gefunden ist.

Ein Tierarzt mit Spezialisierung im Bereich der Verhaltenstherapie ist Dein Ansprechpartner, wenn es um das richtige Medikament geht. Auf das Thema Medikamente gehe ich in meinem Blogbeitrag „Einsatz von Psychopharmaka beim Hund“ ein.

11. Spezielles Training mit dem Angsthund

Wenn Du Deinem Angsthund nachhaltig helfen möchtest, reicht der Einsatz von Medikamenten nicht aus. Es gibt ein gezieltes Training, dass die Emotionen Deines Hundes zum Positiven verändern kann.

Man unterscheidet drei Formen von Maßnahmen: Die Desensibilisierung, die Gegenkonditionierung und der Aufbau eines Alternativverhaltens. Alle drei greifen ineinander. Der Verhaltenstierarzt kann geeignete Übungen individuell für Deinen Hund zusammenstellen.

Eine reine Desensibilisierung wird bei einem ausgeprägten Angsthund nicht das Mittel der Wahl sein, weil hierfür erstens der Angstauslöser kontrollierbar sein muss (was meistens nicht der Fall ist) und zweitens der Hund in einem stressfreien Zustand sein muss (was meistens auch nicht der Fall ist). Bei der Desensibilisierung wird der angstauslösende Reiz in abgemilderter Form präsentiert, während der Hund etwas Tolles zu tun hat, z.B. eine Schleckmatte schlecken. Wenn der Angstauslöser in seiner Intensität zu stark präsentiert wird und der Hund in einem leicht gestressten Zustand ist, passiert das Gegenteil, nämlich eine weitere Sensibilisierung und wenn Du Pech hast, wird Dein Hund in Zukunft Schleckmatten meiden.

Die besten Ergebnisse erreicht man über eine Kombination aus Gegenkonditionierung und Training eines Alternativverhaltens. Bei der Gegenkonditionierung musst Du dem Hund jedes Mal etwas ganz besonders Tolles anbieten NACHDEM er den Angstauslöser wahrgenommen hat. Hierfür muss der Hund nicht ganz stressfrei sein, eben nur soweit, dass er Dein Angebot noch annehmen kann.

Um die Angst wirklich nachhaltig in den Griff zu bekommen, solltest Du ein Alternativverhalten aufbauen. Hier lernt Dein Hund beim Auftauchen des Auslösers ein bestimmtes Verhalten zu zeigen, z.B. den Entspannungsort aufsuchen oder Blickkontakt zu Dir aufzunehmen. Der Angstauslöser wird zum Signal für das Verhalten. Es bedeutet viel Training und Du solltest es nicht ohne genauen Trainingsplan und fachliche Hilfe angehen, aber sobald Du es geschafft hast, ist es ein riesen Schritt in Richtung normalen Hundealltag.

12. Fazit

Der Alltag mit einem Angsthund kann eine Belastung sein, aber wenn Du rechtzeitig reagierst und die richtigen Schritte gehst, ist ein normaler Alltag mit viel Freude und Entspannung möglich.

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