Der Einsatz von Psychopharmaka beim Hund
Noch immer gibt es Vorurteile gegenüber der Anwendung von Psychopharmaka beim Hund. Viele Hundehalter haben Angst, dass ihr Hund nur ruhiggestellt wird, aber nach wie vor Angst hat. Andere kritisieren, dass menschliches Versagen in der Hundeerziehung mit einer „Pille“ wiedergutgemacht werden soll.
Es gibt gute Gründe Psychopharmaka bei Hunden anzuwenden. Vor allem dann, wenn eine Verhaltenstherapie alleine nicht greifen kann, weil das Erlernen neuer Verhaltensweisen durch den dauerhaft erhöhten Stresslevel nur sehr eingeschränkt möglich ist.
Dieser chronisch erhöhte Stresslevel kann verschiedenen Ursachen haben und sich durch die unterschiedlichsten Symptome zeigen. Am bekanntesten ist wohl die Anwendung von Medikamenten bei Hunden mit einer Angststörung. Häufig zeigt sich der Stress aber auch durch andere Symptome, wie eine hohe Reaktivität und Reizempfindlichkeit, Aggressionsverhalten oder Zwangsverhalten, wie exzessives Belecken oder Schwanzjagen. Es ist also nicht immer nur der „Angsthund“, der von Medikamenten profitiert.
Dieser Beitrag soll Dich über den Einsatz von Psychopharmaka in der tierärztlichen Verhaltenstherapie aufklären und informieren. Dabei werden die wichtigsten Fragen erörtert. Zum Beispiel: „Wann sind Psychopharmaka beim Hund sinnvoll?“ „Welche Nebenwirkungen können auftreten und wie läuft eine medikamentöse Therapie ab?“.
Inhaltsverzeichnis
Was sind Psychopharmaka überhaupt?
Psychopharmaka beeinflussen den Gehirnstoffwechsel. Dabei wirken sie direkt auf das Neurotransmittersystem des Gehirns, indem sie die Anwesenheit der Neurotransmitter im synaptischen Spalt der Nervenzelle im Gehirn verändern.
Neurotransmitter regulieren die Aktivität verschiedener Gehirnabschnitte, wie z.B. die Abschnitte, die für die Kontrolle von Gefühlen, Erregung und Stress verantwortlich sind, aber auch die Bereiche, die für die Verarbeitung von Sinneseindrücken und die Motivationssteuerung wichtig sind.
Ist das Neurotransmittersystem nicht im Gleichgewicht, wie es z.B. bei chronischem Stress der Fall sein kann, kommt es zu Verhaltensänderungen. Typische Veränderungen sind, eine erniedrigte Reizschwelle und damit Überempfindlichkeit und Reaktivität, depressive Verstimmungen und Ängstlichkeit.
Die wichtigsten Neurotransmitter, die durch Psychopharmaka beeinflusst werden
Serotonin
Serotonin beeinflusst eine Vielzahl von emotionalen Prozessen, wie z.B. Aggression und Angst. Gleichzeitig ist es an der Schmerzwahrnehmung und Gedächtnisleistung beteiligt.
Dopamin
Dopamin ist als „Botenstoff des Glücks“ bekannt. Im zentralen Nervensystem spielt Dopamin eine Rolle bei der Steuerung der Motorik und der Aktivierung des Belohnungssystems.
Noradrenalin
Noradrenalin hat eine zentrale Bedeutung bei der Stressreaktion des Körpers. Es steigert die Aufmerksamkeit, das Erwachen und die Reaktionsbereitschaft und spielt so eine Schlüsselrolle im Kampf-oder-Flucht-Mechanismus, indem es den Körper auf eine schnelle Reaktion vorbereitet. Diese erfolgt als Reaktion auf verschiedene Stresssignale, einschließlich physischer oder emotionaler Stressfaktoren.
GABA
GABA ist der wichtigste hemmende Neurotransmitter. Er reduziert die Empfindung von Angst durch die Hemmung der zuständigen Hirnbereiche.

Was bringt die Gabe von Medikamenten bei Problemverhaltensweisen?
Das Ziel der medikamentösen Behandlung ist es, die Stimmung, die Emotion und die Lernfähigkeit des Hundes positiv zu beeinflussen.
Die Reizschwelle für Stress wird erhöht, sodass sich die Toleranz gegenüber problematischen Reizen verbessert. Der Hund ist insgesamt weniger stressbelastet und kann sich nach schwierigen Ereignissen deutlich schneller wieder erholen.
Das hat zur Folge, dass der Hund besser lernen kann, ansprechbarer ist und es dem Besitzer leichter fällt, mit seinem Hund zu üben. Der Besitzer ist motivierter und zuversichtlicher, was sich positiv auf den Hund auswirkt und die Beziehung zwischen Hund und Mensch stabilisiert.
Hunde, die unter einer Angststörung leiden, erkunden manchmal erst mit Hilfe eines Medikaments ihre Umgebung und lernen dadurch neue Dinge kennen und stufen unbekannte Situationen als ungefährlich ein.
Zudem wird die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten problematischer Verhaltensweisen, wie Aggressionsverhalten, durch die Reduktion von Angst und Stress verringert, was dazu führt, dass weniger unerwünschtes Verhalten gelernt und gefestigt wird.
In welchen Fällen machen Psychopharmaka beim Hund Sinn?
Die Gründe für die Verschreibung von Psychopharmaka beim Hund sind vielfältig und letztendlich ist es eine sehr individuelle Entscheidung. Trotzdem gibt es Gründe, die immer wieder eine Rolle spielen:
Der erste und wichtigste Grund ist die Angst vor unkontrollierbaren Auslösern. Das bedeutet, dass die Auslöser für die Angst des Hundes vielfältig und unvermeidbar sind. Sie passieren regelmäßig, während des Alltags, ohne dass der Mensch darauf Einfluss nehmen könnte. Der Hund gerät dadurch in einen andauernden Zustand der Angst und kann sich sogar Zuhause nicht mehr entspannen.
Weiterhin ist es sinnvoll Psychopharmaka beim Hund einzusetzen, um das Einüben und Festigen von angst- und stressbedingten Verhaltensweisen, wie Zwangsverhalten oder Aggressionsverhalten zu minimieren. Durch die Gabe von Psychopharmaka wird die Stresstoleranz verbessert und Angstgefühle reduziert. Infolgedessen werden stressbedingte Verhaltensweise weniger häufig und in geringerer Intensität gezeigt, wodurch sie sich weniger im Verhaltensrepertoire des Tieres festigen.
Manchmal lassen sich die Lebensumstände des Tieres nicht verändern. Wenn der Hund regelmäßig und unvermeidbar in seinem Wohlbefinden gestört wird und leidet, ist es aus Gründen des Tierschutzes gerechtfertigt, dieses Leiden durch die Gabe von Psychopharmaka zu mindern.
Chronische Stressbelastungen können zu einer „Entgleisung“ des vegetativen Nervensystems führen. Die beiden Anteile Sympathikus (Anspannung) und Parasympathikus (Entspannung) kommen von selbst nicht mehr ins Gleichgewicht. Das Tier kann sich nicht mehr entspannen und ist ständig auf dem Sprung. Daraus resultiert eine hochgradige Erschöpfung mit gesundheitlichen Folgen. Diese Hunde brauchen unter Umständen eine medikamentöse Unterstützung, um sich entspannen und regenerieren zu können.
Nicht zuletzt gibt es die Möglichkeit, den Hund direkt nach einem akuten Trauma kurzfristig medikamentös zu unterstützen, um die Ausbildung eines Angstgedächtnisses und weiteren Angstverknüpfungen zu verhindern.

„Pille rein“ und dann ist alles gut?“
Psychopharmaka dienen in erster Linie der Unterstützung einer Verhaltenstherapie. Das heißt, das Ziel ist, das Tier soweit zu stabilisieren und sein Wohlbefinden zu steigern, dass therapeutische Übungen und Training stattfinden können, um eine langfristige und stabile Veränderung der Verhaltensweisen zu erreichen. Dementsprechend werden Psychopharmaka begleitend zu einer Verhaltenstherapie eingesetzt und nicht als alleiniges „Allheilmittel“.
Denn man darf sich die Wirkung der Medikamente nicht so vorstellen, dass das Tier plötzlich komplett angstfrei und fröhlich durch das Leben läuft und seinem Besitzer keine Scherereien mehr macht.
Manche Hundebesitzer „ruhen“ sich auf der oftmals deutlichen Verbesserung des Befindens des Tieres aus und machen keine Therapiebegleitung. Hier kommt es nicht selten, nach einiger Zeit wieder zu einer Verschlechterung des Verhaltens, da sich an den Gesamtumständen nichts geändert hat und das Tier keine alternativen Verhaltensweisen gelernt hat.
Genauso häufig führt die Verbesserung des Zustandes des Tieres zu einer hohen Motivation des Besitzers, die begleitenden therapeutischen Übungen mit seinem Tier durchzuführen, was die Prognose entsprechend stark verbessert.
Welche Medikamente gibt es und was ist das richtige Psychopharmakon für meinen Hund?
In der Tiermedizin werden sowohl Psychopharmaka eingesetzt, die explizit für Tiere (Hunde) zugelassen sind, als auch Psychopharmaka, die aus der Humanmedizin stammen.
Welches Psychopharmakon im speziellen Fall am besten geeignet ist, ist individuell sehr unterschiedlich. Es ist insbesondere davon abhängig, wie sich das Tier verhält (eher zurückgezogen oder eher reaktiv) und welches Neurotransmittersystem angesprochen werden soll. Unter Umständen findet man nicht direkt, das passende Medikament. In diesem Fall ist etwas Durchhaltevermögen gefragt. Am besten wendet man sich an einen Verhaltenstierarzt, der sich auf dem Gebiet auskennt.
Grundsätzlich ist der Tierarzt nach der Umwidmungsregelung verpflichtet zunächst Tierarzneimittel einzusetzen. Helfen diese nicht wie gewünscht oder treten Nebenwirkungen auf, kann auf Humanarzneimittel ausgewichen werden.
Man unterscheidet sogenannte kurzwirksame, von langzeitwirksamen Psychopharmaka. Kurzwirksame Medikamente entfalten ihre Wirkung innerhalb von 30 – 90 Minuten nach Anwendung. Diese kommen v.a. bei akuten Angstsituationen, wie z.B. an Silvester zum Einsatz. Während langzeitwirksame Medikamente einen Wirkspielgel aufbauen müssen und deshalb erst in einem Zeitraum von 2 -6 Wochen ihre volle Wirkung entfalten.
Als Tierarzneimittel zugelassene Psychopharmaka
Fluoxetin (Reconcile)
Fluoxetin (Reconcile) ist als Selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) ein langzeitwirksames Psychopharmakon und unter dem Handelsnamen Reconcile in der EU für die Trennungsangst des Hundes zugelassen.
Ein SSRI hemmt den Rücktransport von Serotonin im synaptischen Spalt und führt dazu, dass die Serotoninkonzentration im synaptischen Spalt zunimmt. So wird die Wirkdauer von Serotonin verlängert und führt zu Stimmungsaufhellung, Reduktion von Angst und Stress und verbesserter Selbstkontrolle. SSRIs wirken nicht sedierend und werden in der Regel sehr gut vertragen. Eine typische Nebenwirkung von Fluoxetin ist eine Appetitreduktion, was kontraproduktiv sein kann für das Training über Futter.
Clomipramin (Clomicalm)
Clomipramin (Clomicalm), ebenfalls ein langzeitwirksames Psychopharmakon, ist ein Trizyklisches Antidepressivum, welches unter dem Handelsnamen Clomicalm in der EU auch für die Trennungsangst des Hundes zugelassen ist.
Clomipramin ist ein nichtselektiver Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer und führt, genauso wie Fluoxetin, zu Stimmungsaufhellung und Reduktion von Angst und Stress. Gleichzeitig wirkt es leicht sedierend, was je nach vorliegendem Verhaltensproblem eine gewünschte Wirkung sein kann.
Selegilin (Selgian)
Selegilin (Selgian) ist ein Monoaminooxidase (MAO) – Hemmer. Die MAO ist ein Enzym, das Dopamin abbaut. Durch die Hemmung des Enzyms verbleibt Dopamin länger im synaptischen Spalt der Nervenzelle und führt dadurch zu einer Stimmungsaufhellung und Angstlösung. Darüber hinaus gibt es einen Zusammenhang mit einer erhöhten Konzentration des MAO-Enzyms im Alter und dem Auftreten von neurodegenerativen Erkrankungen, da beim enzymatischen Abbau reaktive Sauerstoffradikale entstehen, die die Zellen schädigen. Deshalb wird Selegilin auch bei der kognitiven Dysfunktion (Demenz) des Hundes angewendet.
Imepitoin (Pexion)
Imepitoin (Pexion) ist ein zentral wirksames Antiepileptikum, dass an die Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA-Rezeptors bindet und so eine beruhigende und angstlösende Wirkung erzielt. Anders als Benzodiazepine entfaltet Imepitoin keine volle Wirkung am GABA-Rezeptor, wodurch eine Toleranzentwicklung und eine Abhängigkeit ausbleiben. Pexion ist in Deutschland für die Behandlung der Geräuschphobie beim Hund zugelassen. Die Anflutungszeit bis zum Wirkungseintritt beträgt 48 Stunden. Dadurch ist Pexion weder ein klassisches kurzwirksames, noch ein langzeitwirksames Psychopharmakon. Typische Nebenwirkungen bei höherer Dosierung sind Ataxie (schwankender Gang) und Abgeschlagenheit.
Dexmedetomidin (Sileo) und Tasipimidin (Tessie)
Dexmedetomidin (Sileo) und Tasipimidin (Tessie) sind α2-Sympathomimietika. Das bedeutet, sie hemmen die Ausschüttung von Noradrenalin und es kommt zu einer verminderten Sympathikus-Aktivität und zu einer Steigerung des Vagotonus (Parasympathikus), was einen entspannenden, beruhigenden und angstlösenden Effekt hat. Beides sind kurzwirksame Psychopharmaka. Sowohl Sileo, als auch Tessie sind für die Geräuschangst des Hundes zugelassen.

Psychopharmaka aus der Humanmedizin, die Anwendung finden in der tierärztlichen Verhaltenstherapie
Sertralin
Sertralin ist, wie Fluoxetin, ein Selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Es unterscheidet sich aber in seinem Wirkspektrum deutlich von anderen SSRIs. Es ist eher appetitanregend, hat eine gute angstlösende und beruhigende Wirkung und fördert so das Erkundungsverhalten des Tieres. Insgesamt wird es gut vertragen und hat keinerlei sedierenden Effekt.
Es gibt noch eine Vielzahl an weiteren SSRIs (z.B. Fluvoxamin, Paroxetin), die obwohl sie alle SSRIs sind, doch individuell sehr unterschiedlich wirken.
Trazodon
Trazodon beeinflusst die Wirkung von Serotonin auf zweierlei Weise: Es hemmt einerseits die Serotonin-Wiederaufnahme und erhöht so das Angebot an frei verfügbarem Serotonin im synaptischen Spalt. Gleichzeitig blockiert es die Serotonin-Rezeptoren, die mit Angst, Unruhe und Schlaflosigkeit in Verbindung gebracht werden. Dadurch wirkt Trazodon stimmungsaufhellend, angstlösend und beruhigend und hat zusätzlich einen sedierenden Effekt. Anwendung findet Trazodon deshalb v.a. in Situationen, in denen neben der Angstlösung eine leichte Sedierung gewollt ist. Zum Beispiel vor einem Tierarztbesuch oder beim Autofahren.
Gabapentin
Gabapentin gehört, ähnlich wie Pexion, zu den Antiepileptika. Es ist strukturell mit dem Neurotransmitter GABA verwandt und seine Wirkung beruht auf einer Hemmung der glutamatergen Erregungsübertragung und einer Blockade zentraler Calciumkanäle. Da es neben der angstlösenden Wirkung auch eine schmerzdämpfende Wirkung hat, wird es gerne eingesetzt, wenn zusätzlich ein Schmerzgeschehen vermutet wird. Es hat den Vorteil, dass es den Leberstoffwechsel nicht belastet, weshalb es bei Leberpatienten das Mittel der Wahl sein kann. Insgesamt wird Gabapentin gut vertragen.
Benzodiazepine (z.B. Alprazolam)
Benzodiazepine (z.B. Alprazolam) wirken schnell innerhalb von 30 – 60 Minuten. Sie binden an den Benzodiazepin-Rezeptor des GABA-Rezeptors und verstärken so die Wirkung des hemmenden Neurotransmitters GABA. Dadurch sind sie stark angstlösend und ein potentes Medikament zur Behandlung starker Ängste und Phobien, v.a. bei speziellen Anlässen, wie Silvester oder Gewitter. Bei längerer Anwendung besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, weshalb Benzodiazepine nicht für eine dauerhafte Gabe geeignet sind und immer langsam ausgeschlichen werden sollten, wenn sie über einen längeren Zeitraum gegeben wurden. Das in der Tiermedizin am häufigsten eingesetzte Benzodiazepin Alprazolam hat keinen sedierenden Effekt. Im Gegenteil, die Hunde sind eher munter und trauen sich Dinge, die sie sonst nicht tun würden. Aufgrund dieser enthemmenden Wirkung ist es für Hunde und Katzen mit einem Aggressionsproblem nur mit Vorsicht einzusetzen.
Welche Nebenwirkungen sind bei einer Therapie mit Psychopharmaka beim Hund zu erwarten?
Bei der Anwendung von Psychopharmaka können Nebenwirkungen auftreten. Das liegt daran, dass die natürliche Wirkung der Neurotransmitter nicht alleine auf die oben beschriebene, gewollte, positive Beeinflussung des Gehirns beschränkt ist. Veränderungen der Gehirnchemie haben automatisch auch Auswirkungen auf die unterschiedlichen Organsysteme. Denn die Prozesse im Gehirn bestimmen die Aktivität des autonomen Nervensystems, welches die einzelnen Organe beeinflusst.
Gleichzeitig sind die Rezeptoren, die durch Psychopharmaka besetzt werden, nicht nur in der Nervenzelle im Gehirn vorhanden. Viele dieser Rezeptoren befinden sich beispielsweise auch in der Darmwand oder an anderen Stellen im Körper.
Typische Nebenwirkungen von Psychopharmaka sind deshalb Magen- und Darmbeschwerden, wie Übelkeit und Appetitlosigkeit, Veränderungen des Herzschlages und Blutdruckes, Probleme beim Lösen und Lethargie.
Man könnte sagen, je spezifischer der Wirkmechanismus eines Psychopharmakons ist, desto weniger Nebenwirkungen sind zu erwarten. Da die Gehirnchemie eines jeden Lebewesens aber sehr individuell ist, kann man dies nicht mit größter Sicherheit vorhersagen.
Neben den Nebenwirkungen, die sich aus der Wirkweise des Medikaments ergeben, können Nebenwirkungen auftreten, die durch die Verstoffwechselung des Psychopharmakons verursacht werden. Besonders betroffen ist hier der Leberstoffwechsel, weshalb bei der Anwendung von Langzeitpsychopharmaka ein besonderes Augenmerk auf den Zustand der Leber gelegt wird.
Am häufigsten treten Nebenwirkungen zu Beginn einer Behandlung auf. Dieses Risiko wird durch ein schrittweises Einschleichen der Dosis erheblich reduziert und in der Regel werden Psychopharmaka gut vertragen. Manchmal ist etwas Geduld gefragt, bis das richtige Medikament für das individuelle Tier gefunden ist.
Wie verläuft eine medikamentöse Therapie? Wie lange muss mein Hund die Medikamente nehmen?
Vor jeder Medikamentenverschreibung steht eine tierärztliche Untersuchung. Da es sich in diesem Fall um die Verschreibung von Psychopharmaka handelt, ist es am sinnvollsten, einen Tierarzt mit Spezialisierung im Fachgebiet der Verhaltenstherapie aufzusuchen. Dieser kennt sich mit der Verschreibung von Psychopharmaka am besten aus.
Im verhaltenstherapeutischen Beratungsgespräch entscheidet der Tierarzt, ob eine medikamentöse Unterstützung sinnvoll ist und wenn ja, mit welchen Medikamenten.
Die ausführliche klinische Untersuchung des Tieres vor dem Behandlungsbeginn schließt mögliche gesundheitliche Gründe für das Verhaltensproblem aus und gibt Hinweise auf mögliche Probleme bei der Verträglichkeit und der Verstoffwechselung des Medikaments.
Je nach Problematik wird der Hund über eine längere Zeit (Dauerbehandlung), oder lediglich, zu bestimmten Anlässen (situativ), medikamentös unterstützt.
Bei einer Dauerbehandlung mit einem Langzeitpsychopharmakon wird die Dosis des Medikaments schrittweise über 4 – 6 Wochen erhöht, bis eine ausreichende und zufriedenstellende Wirkung erzielt wird. Man nennt diesen Zeitraum Anflutungszeit. Anders als andere Medikamente, wirken Langzeitpsychopharmaka nicht direkt, sondern bauen langsam einen Wirkspiegel im Gehirn auf. Von daher ist auf Seiten des Tierbesitzers etwas Geduld gefragt.
Wie lange die Therapie mit einem Langzeitpsychopharmakon dauert, hängt von der Entwicklung des Verhaltensproblems ab. An ein Therapieende sollte erst gedacht werden, wenn der Hund unter den gegebenen Bedingungen keine Angst mehr hat und/oder zuverlässig ein positiv-assoziiertes anderes Verhalten zeigt, oder sich die Lebensbedingungen derart verbessert haben, dass kein Problem mehr besteht. In der Regel werden Langzeitpsychopharmaka über einen Zeitraum von 4 – 12 Monaten gegeben. Unter Umständen ist aber auch eine längere oder eine lebenslange Therapie sinnvoll.
Wird die medikamentöse Dauerbehandlung beendet, muss das Langzeitpsychopharmakon langsam und schrittweise wieder ausgeschlichen werden.
Bei einer situativen medikamentösen Behandlung werden Psychopharmaka eingesetzt, die direkt, d.h. innerhalb von 30 – 90 Minuten wirken. Die Behandlung mit einem kurzwirksamen Psychopharmakon reicht aus, wenn es dem Tier im Allgemeinen gut geht, es aber bei bestimmten Anlässen (z.B. Silvester, Tierarztbesuch, Gewitter) Angst hat.
In diesem Fall sind kein schrittweises Einschleichen und Ausschleichen des Medikaments nötig. Trotzdem ist es sinnvoll, zuvor eine niedrigere Dosierung auf Verträglichkeit zu testen.
Nicht selten wird der Tierarzt eine Kombinationstherapie aus verschiedenen Psychopharmaka empfehlen. Diese ergänzen sich, sodass insgesamt niedrigere Dosen gegeben werden müssen und weniger Nebenwirkungen auftreten.
Wann wirken Psychopharmaka beim Hund nicht?
Nicht in allen Fällen erreicht man mit der Gabe von Psychopharmaka eine Veränderung der Verhaltensweisen. Da Psychopharmaka die Gefühle und Stimmungen beeinflussen, wirken sie auch nur dort, wo negative Gefühle und Stress eine Ursache für problematische Verhaltensweisen sind. Nicht selten waren negative Emotionen der ursprüngliche Auslöser für ein unerwünschtes Verhalten, das Verhalten wird aber längst losgelöst und unabhängig von der ursprünglichen Emotion gezeigt. In diesem Fall wird ein Psychopharmakon keine nennenswerte Wirkung erzielen.
Fazit
Psychopharmaka mindern stress- und angstbedingte Verhaltensweisen durch ihre Wirkung auf das Neurotransmittersystem des Gehirns. Stress und Angst verhindern das Lernen neuer, positiver Verhaltensweisen. Deshalb können Psychopharmaka bei Hunden, die viel Stress und Angst empfinden, eine wertvolle Ergänzung zur Verhaltenstherapie sein. Keinesfalls aber, sind Psychopharmaka ein „Allheilmittel“ und sollten deshalb immer in Kombination mit einer Verhaltenstherapie angewendet werden und von einer entsprechenden Fachperson verschrieben werden.
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